1842 Die Epoche der Industrialisierung
Dr. Georg Pfendler - vom Apotheker zum Gasindustriellen
Als sich das Gas als Straßenbeleuchtung einen Namen machte, waren bereits mehrere Firmen wie die Österreichische Gasbeleuchtungsgesellschaft im Spiel, die durch die vorerst privaten Projekte gegründet wurden. Der Apotheker und Chemiker Dr. Georg Pfendler beleuchtete seine Apotheke „Zum goldenen Greif“ (in der Rotenturmstraße 1-3 (1. Bezirk) mit Gas. Er erzeugt das Gas aus Harz- und Rubsamenöl und verkauft es auch in Druckflaschen. Dr. Georg Pfendler unternahm vor seiner Gaswerksgründung Studienreisen nach England, wo er 1826 in Gaswerken studierte und arbeitete. In Wien wieder zurück verkaufte er seine Apotheke und gründete 1828 die „Österreichische Gesellschaft zur Beleuchtung mit Gas“ und ein Gaserzeugungs-Etablissement, was später zum Gaswerk Roßau (1832-1852) wurde.
Theodor Friedrich Hené, früher Sekretär der Österr. Ges. zur Beleuchtung mit Gas, errichtet ein 1840 Gaswerk in der Lichtgasse im damaligen Wiener Vorort Fünfhaus (heute Gasgasse 2a im 15. Wiener Bezirk), welches auch Gas in die Stadt lieferte. Im Oktober 1840 versorgt das Gaswerk die Straßenbeleuchtung von der Schönbrunner Hofstraße von der Mariahilfer Linie (heute Gürtel) bis zum Beginn des Vororts Fünfhaus.
Imperial Continental Gas Association - der Global-Player kauft sich in Wien ein
Bereits 1824 wurde in London die Imperial Continental Gas Association (ICGA), als Tochtergesellschaft der 1823 gegründeten Imperial Gas and Coke Company, gegründet. Sie stelte sich die Aufgabe, die Gasbeleuchtung in den größeren Städten am Europäischen Kontinent einzuführen. Im Jahre 1842 stieg die englische Inter-Continental-Gas-Association (ICGA) in das Wiener Gasgeschäft ein und kaufte - zum Teil über Strohmänner - alle einzelnen kleine Gaswerke und wurde somit marktbeherrschend. Das führte dazu, dass sie den Preis bestimmte und infolge dessen die Gemeinde Wien mit jener Situation nicht zufrieden war. Sie kaufte das Gaswerk Roßau und Gaswerk Fünfhaus, baute jene 1843 umfassend um und errichtete weitere Gaswerke in Erdberg (1845), Döbling (1852), Belvedere (1859), Am Tabor (1865), Floridsdorf (1870), Baumgarten (1878). Insgesammt besaß die ICGA 14 Gasometer in Wien verteilt auf die einzelnen Gaswerke.
Der Ausbau der Gasbeleuchtung geht stetig voran - Vorstädte und Vororte werden laufend an das Gasrohrnetz angeschlossen. Vor dem Beginn der Gasbeleuchtung wurden die Straßen mit Öllampen in der Nacht beleuchtet. Jene wurden neben den Gaslaternen auch laufend auf Petroleumlampen getauscht, wo kein Gasrohrnetz vorhanden war. Die letzte Petroleumlampe bei der öffentlichen Straßenbeleuchtung wurde erst 1926 (!) auf der Heiligenstädter Lände gegen eine elektrische Lampe getauscht.
Österreichische Gasbeleuchtungs-Aktiengesellschaft und Wiener Gasindustriegesellschaft
Am 4. März 1855 wurde aus Konkurrenzgründen die "Österreichische Gasbeleuchtungs-Aktiengesellschaft" gegründet. Die Versorgung der einzelnen Vororte, Vorstädte und Bezirke wurde zwischen der ICGA aufgeteilt. Sie besorgte die Beleuchtung für die Vororte Fünfhaus, Sechshaus, Rudolfsheim, Gaudenzdorf, Ober- und Untermeidling, Hetzendorf und Altmannsdorf sowie einen Teil von Neulerchenfeld mit ihrem Gaswerk Gaudenzdorf (1855). Die Wiener Gasindustriegesellschaft wurde 1872 gegründet und hatte ein Gaswerk am Wienerberg (1873). Beide Gesellschaften vereinigten sich zur Österreichischen Gasbeleuchtungs-Aktiengesellschaft und betrieben das Gaswerk Gaudenzdorf bis 1912 und das Gaswerk Wienerberg bis 1940.
Weiterführende Informationen
- Gaswerk Fünfhaus
- Gaswerk und Gasometer Erdberg
- Gaswerk Döbling
- Imperial Continental Gas Association (ICGA)
- Gaswerk Gaudenzdorf
- Gaswerk Roßau
- Gaswerk Wienerberg
| < Zurück | Weiter > |
|---|
Geschichte der Gasometer











