Arten von Gasbehältern und Gasometern
Niederdruck-Gasbehälterprinzip
Die zur Zeit der Errichtung des Gaswerks Simmerings und der Gasometer in Wien angewendeten Gasbehälterbauweise sind Teleskopgasbehälter, die in die Kategorie der Niederdruckgasbehälter fallen. Heute werden diese Art von Gasbehälter üblicherweise nicht mehr errichtet, da sie aufgrund des geringen Druckes und der vielen mechanisch beanspruchten Teile eine aufwendige Konstruktion aufweisen. Die Niederdruck-Gasbehälter speichern das Gas mit einem minimalen Überdruck von nur 10-50 millibar gegenüber dem normal vorherrschenden Luftdruck. Das bedeutet, dass in ihnen das Gas nur mit einen minimalen Druck - der meist aus dem Eigengewicht der Konstruktion des Gasbehälters erzeugt wird - gespeichert wird und es dadurch zu keiner starken Kompression wie bei modernen Hochdruckgasbehältern kommt. Hat ein Gasbehälter eine Ausdehnung von beispielsweise 90.000 Kubikmetern, so ist es in einem Niederdruckgasbehältern auch nur möglich rund 90.000 Kubkikmeter zu speichern.
Teleskop-Gasbehälter
Der Teleskop-Gasbehälter ist die älteste Form des Gasbehälters mit großem Fassungsvermögen. Sein Arbeitsprinzip beruht darauf, daß ein unten offener und oben geschlossener zylindrischer Behälter - die Glocke - in einem Wasserbassin, das so tief wie der Behälter hoch ist, ganz eintauchen kann und sich entsprechend der zugeführten oder abgegebenen Gasmenge entweder aus dem Wasserbassin heben oder wieder darin senken kann. Der Behälter wird hierbei an einem senkrechten Führungsgerüst über Rollen auf- und abwärts geleitet und ist durch das Wasser, in dem er vom zugeführten Gas getragen, schwimmt, abgedichtet. Bei einer einfachen Glockenkonstruktion ist das Fassungsvermögen des Gasbehälters durch die Tiefe und den Durchmesser des Wasserbassins begrenzt, da sie die maximale Höhe und die maximale Grundfläche des gasfassenden Zylinders festlegen.
Durch den konstruktiven Kunstgriff, die Außenwand der Glocke wie das Rohr eines Teleskops (Fernrohr) in mehrere ineinander- und auseinanderschiebbare, miteinander verhakte, zylindrische Segmente zu zerlegen, deren Einzelhöhen jeweils die Tiefe des Wasserbassins nicht überschreitet, wurde es möglich die Gesamthöhe des Gasbehälters und damit sein Fassungsvermögen wesentlich zu vergrößern, ohne das aufwendige Wasserbassin entsprechend vertiefen zu müssen.
Wird ein Teleskop-Gasbehälter gefüllt, heben sich durch den Auftrieb des Gases zunächst die Glocke und danach die Segmente der Außenwand eines nach dem anderen aus dem Wasser heraus. Wird er geleert, versinken alle Teile
Schrauben-Gasbehälter
Der Schrauben-Gasbehälter ist eine Weiterentwicklung des Teleskop-Gasbehälters. Er besteht ebenfalls aus einem oder mehreren Glockenteilen und ist durch Wasser abgedichtet, doch hat er kein äußeres Führungsgerüst. Seine Hubteile bewegen sich über spiralig an den Mantelflächen der Glockenteile angebrachten Führungsschienen an Rollen schraubenförmig aufwärts und abwärts. Im leeren Zustand wird ein Schrauben-Gasbehälter, wenn nicht eine oberirdische Einfassung des Wasserbassins vorhanden ist, völlig unsichtbar.
Scheiben-Gasbehälter
Die äußere Form des Scheiben-Gasbehälters bleibt immer unverändert. Er besteht aus einem runden oder polygonalen Zylinder, der unten und oben fest verschlossen ist. Durch eine die horizontale Schnittebene des Zylinders verschließende Scheibe, die sich auf dem eingeführten Gas schwimmend vertikal hebt und senkt wird die notwendige Volumenanpassung erreicht. Die Scheibe gleitet im Inneren des Hohlkörpers entlang. Das techinsche Problem besteht darin, diese große, bewegliche Scheibe gegen die feststehende Behälterwand gasdicht abzuschließen. Zu diesem Zweck ist die Scheibe an ihrem äußeren Rand mit elastischen, messerscharfen Gleiteisen aus Stahl versehen und mit einer Ledermanschette ummantelt, die durch zahlreiche Andruckelemente an die Behälterwand gepresst wird. Dichtung und Gleitfähigkeit des Scheibenrandes im Zylinder werden wie bei einer Fahrrad Luftpumpe durch Öl bewirkt. Ein Ölbad, das in eine Rinne - die sogenannte Scheibentasse - um den Scheibenrand gelegt ist, durchtränkt die Ledermanschette permanent, stellt so deren Gleitfähigkeit an der Behälterwand sicher und dichtet sie gleichzeitig ab. Das außer dem kuntinuierlich an der Innenwand des Zylinders herunterrinnende Öl bildet auf der gesamten Zylinderwand einen Ölfilm, der neben Abdichtung und Gleitfähigkeit auch Frost- und Korrosionsschutz gewährleistet. Das Öl wird am unteren Rand des Zylinders in einer Rinne gesammelt und wieder nach oben gepumpt.
Im Gegensatz zu Teleskop- und Schrauben-Gasometer, die wegen der Verwendung von Wasser als Dichtungsmittel als "nasse" Gasbehälter bezeichnet werden, nennt man die mit Öl als Dichtungsmittel arbeitende Scheiben-Gasbehälter "trockene" Gasbehälter.
Hochdruckgasbehälter
Hochdruckgasbehälter speichern das Gas in sehr komprimierter Form mit bis zu 300 bar druck. Das bedeutet, dass auf selben Raum eine 300-fache Menge an Gas gespeichert werden kann. Als Beispiel hier ein Kugelgasbehälter.
Kugelgasbehälter
Besonderen Dank an Harald Finster für die Fotografien (www.hfinster.de)
Technik der Gasometer

